Sitz im Herrenhaus

Anläßlich des 70. Geburtstages des Grafen Wilhelm v. Zitzewitz-Zezenow 1908 gibt es ein Foto, das ihn am 16. Dezember 1908 auf Zezenow in Pommern gemeinsam mit einigen Puttkamer's zeigt, die eine Rolle in der damaligen Politik spielten.

Eine große Zahl von Festteilnehmern bringt dort zum Ausdruck, wie und in welchem Kreise gefeiert wurde. In großer Robe, in feinen Räumlichkeiten und eben in feiner Gesellschaft. Auffallend auch, daß viele Jugendliche dabei sind. Bei genauer Betrachtung sind es viele Familien, die wir Puttkamer als unsere Verwandten bezeichnen können, wenn wir insbesondere die Zitzewitz dazu zählen, aber auch die Bandemer, Below, Kleist, Blankensee und Krockow mit einbeziehen. Der Jubilar war Mitglied des königlichen Herrenhauses, wie früher das preußische Herrenhaus genannt wurde. So können wir als Puttkamer auch auf eine stattliche Anzahl von Vertretern der Familie hinweisen, die einen Sitz im preußischen Herrenhaus innehatten. In der großen Gästeschar können wir auch unseren Vetter Robert (Nr. 47) (a.d.H. Eugen/Gr. Nossin) erkennen, der ebenso Mitglied des preußischen Herrenhauses war. Er hatte das Präsentationsrecht von Kaiser Wilhelm II. für die gesamte Familie v. Puttkamer erhalten. Es sollte eine kleine Wiedergutmachung nach seiner Entlassung als preußischer Innenminister durch Kaiser Friedrich sein, die er als Demütigung empfand. Hier vielleicht einmal ein kleiner geschichtlicher Hinweis bzw. Erläuterung zu dem preußischen Herrenhaus: Das preußische Herrenhaus war im Zweikammersystem des Landes nach der Verfassungsurkunde für den preußischen Staat vom 31.1.1850 die erste Kammer des Parlaments und bildete zusammen mit dem Abgeordnetenhaus die Legislative. Als Vorbild für die Einrichtung eines Herrenhauses diente das „House of Lords“ in Großbritannien. Nach einer Verfassungsänderung im Jahr 1853 gab es keine gewählten Mitglieder mehr und 1855 wurde der Name des Hauses von „Kammer“ in „Herrenhaus“ geändert.

Es gab 3 Gruppen:

  • vom König ernannte Prinzen der königlichen Familie
  • erbliche Mitglieder (Standesherren, vom König ernannte Familien)
  • ernannte Mitglieder (auf Lebenszeit oder auf Präsentation von dazu berechtigten Körperschaften)

Die soziale Struktur sah 1918 auch entsprechend aus:

  • 66,5% Altadel
  • 8,0% Nobilitierte
  • 25,0 % Bürgerliche

Die politischen Strömungen des Herrenhauses unterschieden sich durch die Art der Zusammensetzung deutlich von der Parteienlandschaft Preußens. Sozialdemokratische Mitglieder gab es nie, ausdrückliche Zentrumsanhängeblieben ebenso eine Ausnahme wie linksliberale Mitglieder. Dem Herrenhaus kam eher ein Vetorecht zu, weniger eine Gestaltungsmacht. Das preußische Revolutionskabinett aus SPD und USPD beseitigte das Herrenhaus mit Wirkung vom 15. Nov. 1918. Im Nachhinein kann man vielleicht feststellen: „ Jede Zeit hat ihre Zeit“. Das Gebäude des ehemaligen preußischen Herrenhauses in der Leipziger Straße in Berlin ist nach der politischen Wende 1989 der Sitz des Bundesrates der Bundesrepublik Deutschland. Es hat mit der Ländervertretung wieder eine politische Bedeutung bekommen.