Alberta v. Puttkamer geb. Weise
(jüngeres Nossin / Albert)

Active Image(1847-1921)

Schriftstellerin
Ehrenbürgerin von Glogau

Glogau 5.5.1847, + Baden-Baden 18.4.1921 – NFG St. 679, (XV III 1129)

 

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Tochter eines Kammergerichtsassessors. Alberta war in ihrer Zeit eine bekannte Schriftstellerin. Veröffentlichte Poesie und Belletristik, schrieb ihre Memoiren, in denen sie auch die Tätigkeit ihres Mannes würdigte, der Staatssekretär in Elsass-Lothringen war.

Verheiratet, mit Maximilian v. P., 2 Söhne, 1 Tochter

 

 

 

 

Leseprobe:

Dorfstille.

Holunderduft liegt auf der Dorfesgasse -
die Hüttenfenster gleißen sonnenbunt.
Die Büsche schatten breit - es fliegen blasse
und volle Blüten schwebend hin im Rund.

Die Kirche ragt im goldengrünen Dämmern
der Linden, die sie überdrängen breit.
Nur aus verlorner Ferne dringt ein Hämmern,
als sei's der Herzschlag dieser Einsamkeit...

Sonst alles klangtot! und die Mittagstille
liegt wie mit erz'nen Flügeln überm Land -
ich glaube fast, man hört es, wenn die Hülle
der Blätterknospen sprengt ihr bräunlich Band...

Ich glaube fast, man hört es, wenn im Neste
die Schwalbe sich im Mittagsschlafe regt,
und wenn ein Bienlein durch die Lindenäste
die Würze tropfend aus den Blüten trägt...

 

Das weiße Fräulein.

Es schlummert das Gregoriental
in tiefem Blumenschnee;
wie Silberkrönlein blitzen zumal
Maiblumen, Veiel und Klee.

Der Mond scheint bergesüber herein -
nun tropfen die Wälder von Licht;
es fließt wie ein fremder Heil'genschein
über den Landen dicht...

Ein Burggemäuer hängt an der Firn,
dort senkt der Pfad sich sacht;
und wie in heimatlosem Irr'n
tastet wer in die Nacht -

Zu Tale schwebt die feine Gestalt
mit ungehörtem Schritt,
und durch den mondesbeleuchteten Wald
wandelt ein Singen mit...

Es steht wie ein lachendes Warten auf Glück
um die Lippen der süßen Frau;
sie sucht in die Ferne, sie schaut nicht zurück,
sie tritt auf die Maienau.

Da rauscht ein Brünnlein mit zartem Getön,
sie setzt sich auf seinen Rand.
Die Tropfen gleiten ihr perlenschön
über die zitternde Hand -

Es löst das seltsame, hohe Weib
all ihrer Gewänder Pracht,
und neigt sich, und badet den blendenden Leib
im Brunnen verstohlen sacht...

Dann tut sie ihr jaspishelles Kleid
und Spangen und Kettlein an,
als rüste sie sich zu bräutlicher Zeit
und fühlte die Wonne nah'n...

Wie glasgesponnene Fäden fließt
ihr Ringelhaar, das sie strählt;
und von der sternhellen Aue liest
sie Maiblumen ungezählt...

Sie heftet die duftenden an ihr Kleid,
und flicht sich ein Krönlein und lacht -
spähend und harrend schaut sie weit
in die Mondesmitternacht.

Und leuchtend das Land, und silbern der Wald,
Maiblumengleich die Au',
und weiß umrinnt das Licht die Gestalt
der weißen harrenden Frau.

Sie singt nicht mehr - sie starrt weithin,
als ob sie durch Himmel und Land
ein Liebstes suchte mit fieberndem Sinn,
das sie doch nimmer fand...

Dann wendet sie sich - die Luft wird fahl,
die Sterne schwinden im Grau;
es fallen des Morgens Tränen zu Tal,
in die silbernen Knospen der Au'.

Und sie sucht den blassen Pfad im Wald,
muß heim zu Burg und Bann;
die arme, rührende Lichtgestalt
hebt leise zu schluchzen an.

Das funkelnde Kleid verfärbt sich in Grau -
es löst sich der Maienkranz;
und blumenlos entwandelt die Frau -
zu Tränen ward der Glanz...

So sucht alle Nacht die Sehnsucht den Steg
zum fernen, leuchtenden Glück -
mit Singen und Lachen hebt an ihr Weg,
und schluchzend kehrt sie zurück.